Prolog 10

»Klar doch«, Jerry tapst sich an die Stirn, wieso ist er nicht vorher darauf gekommen. »Monster, ha!« Er kann sein Glück gar nicht fassen. Was ist dagegen eine öde Eidechse, die eh keinen interessiert? Er hat einen verschollenen Kletterer gefunden. Er ist ein Retter!

Vermutlich hatte der Kletterer sich irgendwie bei dem Sturz durch das verborgene Loch im Boden verletzt und kam alleine nicht mehr hoch.

Er selbst hat ja mehr Glück gehabt, nur ein paar Schrammen und Beulen … und die zerrissene Jeans, nichts Schlimmes. Für einen kurzen Moment hält er inne und die Sorge, es möge ihm ergehen wie dem Kletterer, überkommt ihn, denn schließlich hat er es auch nicht geschafft, da herauszuklettern.

»Ach was«, wiegelt er ab, »wenn ich mich wirklich anstrenge, komme ich schon heraus und wenn nicht, werden die anderen sicher den Lehrern Bescheid sagen. Dann wird es nur ein wenig länger dauern.«

Alleine der Gedanke daran, wie die anderen ihn als Helden ansehen würden, und Mary, seine Mutter, die Nachrichten, einfach alle, ließ seine Brust vor Stolz schwellen. Und Tom würde es nie wieder wagen ihn auch nur schief anzuschauen. Grimmig ballt er die Fäuste zusammen. Nur ein gegurgeltes Stöhnen von dem Verunglückten kann ihn aus seinen überschäumenden Heldenphantasien herausreißen.

»Mister …«, sagt Jerry, der sich nun schämt, sich mehr mit seinen Tagträumen als mit dem Leid des Fremden befasst zu haben. »Mister ist alles ok? Alles wird gut, wir kriegen sie hier raus.« Er fühlt sich plötzlich sehr reif.

»Mister, ich bin Jerry, wie heißen Sie?» Er weiß aus dem Fernsehen, das die beste Methode Kontakt aufzunehmen, ist, sich vorzustellen und nach dem Namen zu fragen. Vertrauen ist alles.

Der Fremde gurgelt ein paar Laute, wovon er annimmt, dass es dessen Name sein könnte. Durch das Röcheln und Husten gelingt es ihm jedoch nicht, auch nur ein Wort zu verstehen. »Ist schon gute Mister, können Sie ihren Namen noch einmal wiederholen?« Er beugt sich diesmal näher an ihn ran, um besser verstehen zu können.

»Mister …?«

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