Prolog 11

Ein unbeschreiblicher Gestank legt sich über Jerry, als der Fremde sein letztes röchelndes Stöhnen von sich gibt. Feucht wie der Rülpser eines halb verwesten und aufgedunsenen Rindes, das gerade geplatzt ist, prasseln Tropfen von Spucke und Blut auf ihn ein. In seiner Schockstarre ist er unfähig sich auch nur einen Millimeter zu bewegen oder seinen vor Schreck weit geöffneten Mund zu schließen.

Mit der nachlassenden Verkrampfung und dem Wiedereinsetzen seiner Sinne überkommt Jerry ein Zittern, das sich unaufhaltsam in seinem ganzen Körper ausbreitet. Er spürt, wie auf seinem Gesicht die verdorbene Mischung aus Spucke und Blut zäh heruntergleitet, wie aus kleinen Rinnsalen große werden und diese über seine Lippen in seinen Mund eindringen. Noch hat das Ausmaß des Grauens nicht seinen Verstand erreicht, doch als die spärlichen Strahlen der späten Sonne auf das Gesicht des Fremden fallen, ist es ihm, als würde sein Verstand mit der Wucht eines Hammerschlages wieder zum Leben erwachen.

Große Augen ohne jedes Weiß starren ihn stumpf an, der Glanz ist mit dem letzten Atemzug erloschen. Kleine bleiche Fetzen von Haut und Fleisch die an Sehnen und Knochen kleben, Lippen wie aufgeplatzte überreife Trauben um eine schwarze Öffnung, die sein Mund gewesen ist. Nun tropft nur noch eine blasenwerfende Flüssigkeit aus dieser Öffnung heraus und verströmt den Geruch von Leichenwasser.

Endlich gelingt es Jerry sich von diesem abscheulichen wie faszinierenden Schauspiel zu lösen, mit einem Schrei, den selbst seine ungeduldig draußen wartenden Freunde hören können.

Ruckhaft springt er zurück und fällt schmerzhaft auf seinen Hintern. Panisch greift er um sich herum, das grauenhafte Wesen nicht aus den Augen lassend, und sucht rückwärts krabbelnd nach der rettenden Felswand. Hart prallt er gegen sie und sofort geht sein Blick nach oben, in der Hoffnung, die Öffnung zu sehen. Ein wenig kann er noch den schwach beschienenen Rand erkennen und er stößt einen kleinen Seufzer der Erleichterung aus. Beherzt nimmt er Schwung und klettert die Felswand hoch. Doch mit seinen ungelenken Bewegungen schafft er es nicht weit und rutscht wieder runter. Verzweifelt blickt er nach oben und kann gerade noch sehen, wie der Rand in der Dunkelheit entschwindet.

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