Prolog 12

»NEIN! Nein, bitte nicht«, schluchzt Jerry, als er seine Hoffnung auf eine Flucht aus diesem Grab zerrinnen sieht. »Mam, bitte, hilf mir doch, … Mam!« Plötzlich hört er ein Geräusch hinter sich, sein Herz pocht schmerzhaft in seiner Brust und er fühlt, wie sich sein Kopf aufzulösen scheint. Gegen seinen Willen dreht sein Kopf sich in die Richtung, wo der Fremde liegen müsste. Mit den letzten indirekten Sonnenstrahlen nimmt er gerade noch wahr, wie dessen Oberkörper wie ein gefällter Baum zur Seite fällt. Das ist zu viel für Jerry. Blind und ohne Verstand stürzt er sich auf die Wand und krabbelt und schleift sich die Wand hoch, krallt sich mit seinen Fingernägeln und allem, was er hat, an den kleinsten Vorsprüngen fest, ungeachtet, ob die Nägel abbrechen oder wie er sich die Haut einschneidet.

Als eine Hand den rettenden Rand erreicht ist sein Gesicht zerfurcht und keine Fläche seiner Haut verschont geblieben, aber er hat es geschafft. Mit aller Kraft, die ein kleiner Mensch in totaler Panik aufbringen kann, zwängt er sich hoch und krabbelt bäuchlings die ersten Meter weiter, aus Furcht, er könne doch wieder abrutschen. Aus tränenbenetzten und blutverkrusteten Augen erspäht er endlich den erlösenden Höhlenausgang. Schwer richtet er sich auf und rennt, so schnell ihn seine Füße noch tragen können, in Richtung Ausgang.

»Ich glaube, wir sollten Hilfe holen«, sagt Jim nachdenklich. »Das war doch Jerry, der eben geschrien hat, oder?«
»Hat ihn die Echse gebissen, oder was?«, grinst Tom in die Runde. »Muss man einen Tierarzt kommen lassen.«
Wie gerne würde Mary ihm jetzt dafür eine scheuern, aber vor lauter Sorge um Jerry, hat sie bereits einige Fingernägel zerkaut und möchte momentan keine Energie an Tom verschwenden.
»Da ist bestimmt was passiert«, sagt Mary, »vielleicht braucht er unsere Hilfe?«

»Also ICH gehe da bestimmt nicht rein«, sagt Tom, »soll er doch selber zusehen, wie er da rauskommt. Aber Miss Harper wird verdammt sauer sein, wenn er nicht bald rauskommt. Das gibt Nachsitzen. Und seine Mutter erst.« Wieder dieses Grinsen.
»Du bist ein Arsch Tom, ein Riesenarsch«, sagt Jim kopfschüttelnd. »Aber ich glaube auch, dass wir besser Miss Harper rufen sollten.«

Unbeholfen schauen sich die Kinder gegenseitig an, unschlüssig über die nächsten Schritte. Nur eines ist sicher, das würde Ärger geben.

»Na gut, dann gehe ich mal und …« Jim kommt nicht mehr dazu, seinen Satz zu beenden, denn genau in diesem Augenblick kommt mit einem langgezogenen Schrei, einer Sirene gleich, Jerry aus der Höhle herausgeschossen.

Im ersten Anflug möchte Tom einen passenden Kommentar über Jerrys Geheul ablassen, doch als er ihn sieht, weicht jede Farbe aus seinem Gesicht und seine Worte bleiben ihm im Halse stecken.
»Jerr…«, setzt Mary an, doch stattdessen füllen sich ihre Augen mit dicken Tränen.

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