Prolog 6

Der konstante kalte Luftzug aus der Tiefe der Höhle bläst seine Haare trotz des Haargels aus platt nach hinten.

Ihm fröstelt. Er möchte nicht darüber nachdenken, ob es an dem Wind liegt, seiner Anspannung oder seiner Furcht.

»Beweg dich endlich!«, ruft ihm Tom zu. Alle Kinder haben sich versammelt und beobachten Jerry gebannt aus einiger Entfernung, als ob plötzlich ein Ungeheuer aus dem schwarzen Loch entspringen könnte, um Jerry zu verschlingen.

»Lass ihn in endlich Ruhe!«, sagt Mary.

»Hey hey, ist Mary etwa in den kleinen Jerry verliebt?«, frotzelt Tom und fängt sich dafür von Mary direkt einen Tritt gegen sein Schienbein ein.

Doch von alledem kriegt Jerry nichts mehr mit, denn ohne Vorwarnung hat er einen großen Schritt in die Höhle gemacht und ist von einem Moment zum anderen aus den Blicken der anderen Kinder entschwunden.

Einige Sekunden steht Jerry regungslos in der Schwärze unfähig sich zu bewegen oder gar zu atmen. Er rechnet mit dem Schlimmsten. Damit von vorne, von der Seite oder von oben von einem Zombie, einem Vampir oder sonst einem Monster angefallen zu werden.

Nach wenigen Minuten, die ihm wie eine halbe Ewigkeit vorkommen, haben sich seine Pupillen so weit an die Dunkelheit gewöhnt, dass er anfängt, Konturen wahrzunehmen. Ehrfürchtig erkennt er zuerst die riesigen, rötlich nass schimmernden Stalaktiten und Stalagmiten, welche aus dem Felsinneren herausragen. In regelmäßigen Abständen hört er wie Wassertropfen unaufhörlich in Pfützen landen. Von irgendwoher gurgelt sanft ein Rinnsal.

Ein Lächeln erscheint auf seinem Gesicht. »Das ist der Hauptgewinn, Jerry,« sagt er ganz leise, mehr zu sich selbst und ist selbst darüber beeindruckt, wie seine gemurmelten Worte in der Höhle kraftvoll verstärkt werden.

Sein Lächeln weitet sich zu einem breiten Grinsen aus, als er sich vorstellt wie er Mary und den anderen davon erzählt. Vielleicht hätte sogar seine Mutter erbarmen mit ihm, wenn er in der Lokalzeitung als Entdecker einer neuen fantastischen Höhle Ruhm ernten würde.

»Jerry, ist alles ok?«, hört er schwach und gedämpft die besorgt klingende Stimme von Mary.

»Ja, alles ist wunderbar«, denkt sich Jerry, antwortet aber laut, »Klar, ist cool hier drin, ich suche jetzt die Echse.«

>>


Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>