Prolog 7

»Gib endlich Gas, wir haben nicht ewig Bock auf dich zu warten«, ruft Tom Jerry ungeduldig hinterher. Gerade noch rechtzeitig kann er Mary´s erneutem Tritt ausweichen.

Doch Jerry hat seine Aufmerksamkeit bereits auf die Suche der Eidechse gelenkt. Angestrengt spitzt er seine Ohren, in der Hoffnung eine Bewegung zu hören. Der Hall und das Echo der vielen aufprallenden Tropfen verhindern jede Stille, so dass er sich bald seufzend in Bewegung setzt. Langsam und vorsichtig setzt er einen Schritt vor den anderen, um nicht versehentlich auf eine der kleinen Stalagmiten zu treten oder auf dem glitschigen Boden auszurutschen. Die Sorge, sich die Jeans aufzureißen, überwiegt bei weitem die Sorge, sich zu verletzen.

Schon nach wenigen Schritten reicht das Licht von draußen nicht mehr aus, um den Boden auszuleuchten und Jerry hat Mühe die Hindernisse zu erkennen. In gebückter Haltung tastet er sich vor, ungeachtet dessen, was ihm als Stütze dienlich ist. Mit Sorge schaut er zurück und blickt auf den grellen Kranz des Höhlenausgangs. Einen kurzen Moment zögert er, unsicher, ob seine Idee wirklich so toll war, wie anfangs gedacht. Aber alleine der Gedanke an Toms Häme und Mary´s enttäuschtem Blick reicht aus, um seinen Entschluss zu festigen. Entschlossen dreht er sich wieder um und marschiert zielstrebig weiter. Für einen kurzen Moment überlegt er, ob er nicht besser hätte warten sollen, bis seine Augen sich wieder an die Dunkelheit angepasst haben. Die wenigen Schritte werden wohl gehen, denkt sich Jerry, als plötzlich sein rechtes Bein ins Leere tapst. Zu überrascht, um zu schreien, fällt er ungebremst auf sein linkes Knie, während sein Oberkörper vornüber in das schwarze Loch kippt.

Voller Panik sucht er verzweifelt nach Halt an der glatten Felswand. Seine Finger suchen grabschend nach einer Unebenheit, vergeblich. Er rechnet fest damit in den Abgrund zu stürzen und hält es nun für angebracht einen letzten Schrei zu lassen. Er füllt seine Lunge mit so viel Luft, wie er aufbringen kann, doch in dem Moment, in dem er schreien möchte, kommt seine rasante Fahrt abwärts zu einem unsanften Ende. »Aaaaahhh … uuaaah …«, stöhnt Jerry. »Mam bringt mich um, wenn sie mich so sieht. Scheiße!« Sein linkes Knie schmerzt und sein ganzer Körper fühlt sich an, als hätte er zehn Runden mit Tom geboxt. Es dauert ein wenig, bis er realisiert, dass er den Sturz überlebt hat. Etwas, wovon er nicht so einfach ausgehen könnte, wenn er tatsächlich mit Tom gekämpft hätte. Der Gedanke daran, als verwundeter Held dazustehen, lässt ihn bei allem Schmerz doch noch etwas Gutes an seiner misslichen Lage finden.

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