Scene-001

»Schnauze voll!« kommt es halb verbittert, halb wütend aus ihrem Mund.

»Ich … mag … einfach … nicht … mehr!« Mühsam presst sie Wort für Wort aus ihren Lippen, »Es geht nicht, es geht einfach nicht.«

Langsam hebt sie ihren Kopf über das Lenkrad. Die aufgehende Sonne vertreibt langsam das dunkelblaue der Nacht und taucht die Landschaft in ihr orangefarbenes Licht.

»Wie schön die Sonne doch ist.« Ein leichtes Lächeln huscht kurz über ihre Lippen.

Sie öffnet das Verdeck ihres Cabrios und schnell breitet sich die erste Wärme des neuen Tages wohlig auf ihrem Körper aus.

Sie ist lange gefahren. Die ganze Nacht hindurch. Sie hat auch kein festes Ziel gehabt, doch nun, wo sie angekommen ist, am Ende jeder tauglichen Straße, umgeben von einzelnen, spärlich verteilten und verdorrten Mesquite-Büschen, die sich in der staubigen roten Erde festkrallen, weiß sie, dass sie am Ziel ist.

Mit einem leisen Seufzer löst sich ihre Anspannung. Ihre Hände sind immer noch an das weiße, geriffelte Lenkrad ihres roten Cadillac Eldorado Biarritz gekrallt. Vorsichtig versucht sie ihre Hände zu öffnen, doch die Haut klebt beharrlich an dem harten und glatten Plastik. Langsam gewinnt die straff gespannte Haut über ihren Handknöcheln wieder an Farbe.

»Scheiße, Fuck, ahhh…«, flucht sie, als sie ihre Hände endlich vom Lenkrad gelöst kriegt. Die Gelenke ihrer Finger knacken laut, als sie die Finger ausstreckt und wieder einrollt. Erst nach mehrmaligen Versuchen lässt der Schmerz endlich nach. »Scheiße, Fuck Mann!«

Der Blick in den Rückspiegel schockiert sie. Sie hat Mühe sich selbst in dem Spiegelbild wieder zu erkennen.

»Mein Make-up ist komplett für den Arsch.«
Eine blonde Strähne rutscht ihr über die Stirn, doch sie verspürt kein Verlangen danach, auch nur die geringste Anstrengung zu unternehmen, sie aus dem Blickfeld zu schieben. Kurz schielt sie auf ihr kleines Handtäschlein, das sie achtlos auf dem Beifahrersitz deponiert hatte. Egal, ganz egal, denkt sie, die Asche wird da sehr gnädig sein.

Sie schaut wieder nach vorne, direkt in die greller werdende Morgensonne, welche ihr kommen mit langen Schatten ankündigt. Sie kneift ihre eh schon verquollenen Augen weiter zusammen.

»Es wird Zeit Liebes«, sagt sie mit einem kurzen Seufzer. Sie schließt die Augen für einen Moment und sieht statt Dunkelheit nur funkelnde Sterne. Nach und nach erlöschen die Sterne, doch statt der erhofften Schwärze, blickt sie nun durch einen rötlichen Schleier. »Die Sonne gibt ihr Bestes«, bemerkt sie trocken, »hättest dir besser daran ein Beispiel genommen.«

Schwer lässt sie ihre Stirn gegen den Lenker fallen und gönnt den überanstrengten Augen eine kurze Pause.

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