Scene-003

»Pissen!« Sie lässt sich eilig in die Hocke nieder, zieht dabei ihr Höschen hastig bis auf die Knöchel runter und rafft in einem Schwung ihr Petticoat aus dem Weg.

Niedergehockt zwischen der offenen Tür und dem Cadillac versucht sie ihre Gedanken zusammenzuhalten.

Konzentriert bleiben, nicht ablenken lassen, ruft sie sich ständig in Erinnerung. Gar nicht so leicht dabei zu pinkeln.

In ihrer Konzentration bemerkt sie nicht die schlurfende Gestalt, die sich langsam nähert.

Die Schritte kurz und nah am sandigen Boden schleifend, wirbelt sie mit jedem Schritt unmerklich Staub auf.

Während Duffy noch mit ihrer Pinkelblokade beschäftigt ist, zieht die Gestalt gemächlich und unbemerkt an dem Cadillac vorbei, die rot-unterlaufenen Augen starr geradeaus gerichtet.

»Pissen, bitteee!« Flehentlich rollt Duffy die Augen nach oben. Die Hände hat sie zu einer Faust zusammengerollt und gegen ihren Mund gepresst.

Vergeblich versucht sie gerade so viel Entspannung zuzulassen, dass sie endlich urinieren kann.

Plötzlich füllen sich ihre Augen mit Tränen. »Verdammt nein …«, schluchzt sie auf, als lange unterdrückte Gefühle sich den Weg nach draußen bahnen und ihren Körper heftig durchschütteln.

»Verdammt nein … nicht jetzt … nicht …«, fleht sie leise schluchzend.

Und dann endlich kann sie loslassen. Beinahe schmerzhaft entleert sich ihre Blase auf den kühlen und ausgedörrten Sand.

Mit dem Handrücken wischt sie sich unwirsch die Tränen aus dem Gesicht und steht vorsichtig auf, darauf bedacht, nicht versehentlich in eine Urinpfütze zu treten.

Als sie zu Boden schaut, muss sie jedoch feststellen, dass ihre Sorgen unbegründet sind. Der ausgedörrte Boden hat ihren Urin bereits komplett aufgesogen und nur ein leicht strenger Geruch nach Ammoniak erinnert sie an die unwillkommene Unterbrechung.

Während sie ihren Schlüpfer wieder hochzieht, schaut sie sich nach allen Seiten um, mehr aus Gewohnheit, als dass sie wirklich in dieser Einöde jemanden erwarten würde. Die Schatten sind länger geworden und lassen die Büsche wie lange knöcherne Finger von alten Hexen erscheinen. Sie schaudert bei diesem Gedanken und steht zügig auf, wobei sie sich am Türrahmen festhält.

»Albernes Mädchen«, denkt sie, »wer sollte dir hier schon über den Weg laufen außer ein paar Grillen.«

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