Scene-004a

Rückwärts lässt Duffy sich in den Autositz plumpsen, hebt ihre Füße schwungvoll in den Fußraum, rafft gekonnt ihren Petticoat zusammen, damit er nicht von der Autotür eingeklemmt wird, und legt ihre Hand auf den Türgriff. Einen kurzen Moment lang lässt sie die Kälte des harten Kunststoffs und des liebevoll eingearbeiteten Chromstreifens auf sich einwirken. Dann zieht sie kraftlos an dem Griff, bis die Tür mit einem dumpfen und satten Knall in das Schloss fällt. Wie liebt sie dieses Geräusch. Wie liebt sie dieses Auto. Das Auto ihres Vaters. Das Einzige, das ihr von ihm geblieben ist. »Scheiße gelaufen, Paps. Mach dir nichts draus«, sagt sie beinahe beschwingt.

Leicht streicht sie über die Rundungen der Armatur und des Lenkers. Ihre Hand geht zum Radioknopf, instinktiv, wie so oft, sobald sie in diesem Auto sitzt. Aber diesmal hält sie inne und verharrt einige Sekunden mit der Hand in der Schwebe um sie dann zurückzuziehen.

»Nicht jetzt Kleines, lass’ dich nicht ablenken«
Auf keinen Fall möchte sie das Risiko eingehen, ihre momentane Stimmung durch die falsche Musik trüben zu lassen, geschweige denn auf Nachrichten zu stoßen.
»Nachrichten wären jetzt gar nicht gut. Nachrichten versauen einem alles, voll der Stimmungstöter. Sie grinst schief, denn das Einzige, das sie jetzt töten möchte, ist sich selbst.
Sie spürt den klebrigen Schmutz in ihrem Gesicht, die verschmierte Schminke, die unförmig hängenden Haare. Wieder dieser Impuls: Schau doch mal kurz in den Spiegel, richte dich kurz her, bevor du dich umbringst. Was spricht dagegen, adrett dem Tod zu begegnen? Nur ein kurzer Blick.

»Nein!«, ruft sie und verdeckt schnell den Spiegel mit ihrer Hand. In den Spiegel möchte sie nicht mehr schauen.
Es wird mehr brauchen, als den Inhalt meines Handtäschleins, um mich wieder herzurichten.

»Durchatmen«, sagt sie, begleitet von einem langen Seufzer.
»Weiter.« Sie überlegt kurz. Dann greift sie zu ihren Ohrläppchen und entfernt nacheinander die Ohrringe, legt sie neben sich auf den Beifahrersitz.

Sie verspürt den Wunsch nach einer heißen und kräftigen Dusche, einem starken Kaffee. Hunger empfindet sie keinen. Sie holt noch einmal Luft und saugt die nun angenehm warme Luft tief in sich hinein. Langsam lässt sie die Luft aus ihrem Mund entweichen. Sie ist soweit.

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