Scene-004b

»Dann mal los, Mädel«, sagt sie forsch, drückt kraftvoll das Kupplungspedal durch und dreht den Zündschlüssel beherzt bis zum Anschlag. Der Anlasser reagiert augenblicklich und verlässlich. Duffy kann ein zufriedenes Grinsen nicht unterdrücken, als der schwere PS-lastige Motor mit einem lauten, sonoren Brüllen anspringt und die ganze Karosserie erwartungsvoll vibrieren lässt. Einmal, zweimal, dreimal drückt sie das Gaspedal durch und jedes Mal durchfährt das hammerschlagmäßige Stakkato eines stählernen Herzens, mit seinem tiefen Bass, ihren Körper. »Dieses Herz könnte ewig schlagen. Meins ist für den Arsch!«

»Baby, es wird Zeit für uns. Time to say Good-Bye.«, sagt sie leise. Diese Worte sind nur für sie und ihren Cadillac gedacht. »Beste Freunde, für immer.«

Mühsam unterdrückt Duffy ein Aufkeimen von tief sitzender Trauer. Hektisch wischt sie sich mit beiden Händen die vorwitzigen Tränen weg, noch bevor sie die Unterlieder verlassen können. Von irgendwoher hört sie das Gezwitscher zu fröhlicher Vögel.

»Nein!«

Sie drückt wieder das Gaspedal durch, der Motor heult erneut auf, laut, alles andere übertönend laut, Presslufthammer laut.

Ein wohliger Schauer durchfährt sie, als die Vibrationen sich in ihrem Körper ausbreiten. »Ich liebe dich«, haucht sie sanft, »du, mein Auto.«

Wieder ernst und konzentriert legt sie den ersten Gang ein und zieht ihren Fuß blitzartig vom Kupplungspedal.

Unwillkürlich muss sie laut lachen, als sich die Hinterreifen des tonnenschweren Kolosses in die Erde eingraben und sich eine riesige Staubwolke hinter ihr bildet.

Mit einem plötzlichen Satz springt der Cadillac vorwärts. Sie wartet kurz, bis der Motor wieder aufheult, und stößt den zweiten Gang rein, den dritten, den vierten, den fünften. Sie ist berauscht von der Anmut, mit der der Wagen sie sanft und kraftvoll über den zerfurchten Boden trägt, und dabei Sträucher unter sich begräbt, ausreißt und achtlos hinter sich wieder ausspuckt.

»So muss es sich anfühlen auf einer Kanonenkugel zu reiten, so und nicht anders.«

Die Sonne scheint nun grell und voll in ihre Augen und doch wendet sie weder den Blick ab, noch klappt sie das Visier herunter.

Sie wartet darauf auf den Moment, in dem der Motor gequält aufheult, das Poltern aufhört, sich die Nase des Wagens langsam nach unten neigt, die Schwerelosigkeit sie aus ihrem Sitz hebt und dann wäre es aus. Frieden. Endlich.

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