Tag 3b - Zur Mittagszeit eine Blume

Es grünt so grün

»Ein Accessoire!«, bemerkte ER, sichtlich zufrieden mit sich selbst.

Und ER wusste auch bereits, welches kleine Accessoire seiner Welt fehlte: eine einfache Blume. Nichts Aufwendiges, nichts Protziges. Dezent sollte es sein, so was, wie ein Löwenzahn (Anmerkung des Autors: Löwenzahn ist meine Interpretation seiner Vorstellung der ersten Pflanze, quasi der Urpflanze. Keine Ahnung, warum es gerade Löwenzahn sein muss, vielleicht wegen der Kaninchen. Fragt mich jetzt bitte nicht, was es mit den Kaninchen auf sich hat …).

Eine leuchtend gelbe Blüte mit einem langen Stängel umringt von saftigen, großen, grünen Blättern. Und wenn die Zeit gekommen war, so konnte sie sich verwandeln und ihren Samen mit dem Wind zu neuen Gefilden führen lassen und sich so immer weiter verteilen.

Nein, wie war das poetisch.

Ihm wurde ganz warm ums Herz und ein seliges Lächeln bildete sich auf seinem Gesicht.

Wie stark war doch seine Vision, beinahe greifbar.

Jedoch, trotz aller Euphorie, war da so ein unbestimmtes Gefühl, dass ER etwas Wesentliches übersehen haben könnte.

Im selben Moment verspürte ER ein mulmiges Grummeln in seiner Bauchgegend. Es wurde stärker und ein Würgereiz setzte ein. Sein seliges Lächeln war alsbald verflogen, seine Mundwinkel dafür angewidert nach unten verzogen. Sein Mund öffnete sich unwillkürlich und sein Magen verkrampfte. Ein kehliger Würgelaut drang hervor. Immer vehementer und schneller setzte das Verlangen nach …

… Kotzen ein.

Und da, auf einmal, konnte ER nicht mehr innehalten und würgte eine kleine erbsengroße, verschrumpelte Kugel hervor, die sich unglücklicherweise zwischen seinen Zähnen verfing.

Angeekelt pulte ER sie sich mit der Zunge aus dem Zahnspalt heraus und rollte sie angeekelt in seinem Mund hin und her, unschlüssig, was ER damit tun sollte. Wieder runterschlucken wie seine Spucke oder ausspucken wie seine Rotze? ER entschied sich für Letzteres.

»Iiiiiiiigit!«, rief ER voller Abscheu und spuckte das Kügelchen angewidert aus, wo es genau auf den Boden landete.

Misstrauisch beäugte ER das ausgespuckte runde Gebilde, als die Kugel plötzlich aufbrach und ein kleiner, grüner Keimling erschien.

Rasend schnell brach er aus dem Samen hervor, umschlang mit seinen Wurzeln den Boden und wuchs zu einer wunderschönen Blume heran, gelb, frisch, große, grüne Blätter, genau so, wie ER es sich vorgestellt hatte.

Und was ER sah, gefiel ihm und es war gut so.

»Scheiße, was war mir schlecht.«

»Wenn das so weiter geht, reihere ich noch die ganze Welt voll.«

Doch trotz seiner herben Worte lächelte ER nun, zufrieden mit seinem Werk, zufrieden mit SEINEM Löwenzahn!

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