Tag 4c

Die bittere Erkenntnis - Es ist nicht alles Gold, was glänzt

Beinahe!

Denn am Tage schwitzte ER gar sehr und des Nachts fror ER erbärmlich.

»Bibber, bibber, was ist dieses befremdliche Empfinden, welches sich meiner bemächtigt?«

Wir erinnern uns, noch vor kurzem, war ER allmächtig, zeitlos und einzig. Ein Gott, wenn auch ein extrem gelangweilter. Die Erkenntnis, dass ER nun auf einmal äußeren Einflüssen ausgesetzt war, schutzlos wie ein Neugeborenes, puddelrüh den Wirren des Wetters ausgeliefert, versetzte ihn in Angst und Schrecken.

Was verbarg sich hinter diesem ungeheuerlichen Vorfall?

Wie hatte es angefangen?

»Hmmm …«, sinnierte ER vor sich.

»Erst war mir laaangweilig, daaann habe ich mir weh getaaaaan…«

Gedankenverloren — wie ER es in Momenten höchster Konzentration zu tun pflegte — fasste ER sich dabei an den Schritt, um wohlig seiner Eier zu kraulen, als ER plötzlich innehielt; dann weiter vorsichtig mit seinen Fingern seinen Sack begrapschte, tastend, suchend.

»WTF!?«

»Eins …«, zählte ER nach und nickte die erste gefundene Hode ab.

»Zw …«, wollte ER die zweite Hode schon gezählt haben.

»Zw …!«, suchte ER nun mit Nachdruck.

Schweißperlen bildeten sich auf seiner Stirn und seine Hände wurden zunehmend kalt-feucht-schlabberig. Sein Gehänge zog sich zurück, seine Sackhaut straffte sich, wodurch ihm natürlich — es hat ja auch was Gutes — das Zählen erleichtert wurde.

»Eins, Zw …«, stammelte ER immer wieder, sich der bitteren Erkenntnis wiedersetzend, dass ihm tatsächlich ein Ei abhandengekommen war.

Eine furchtbare Ahnung befiel ihn. Blitzartig wich ER zurück, um sich die neue Welt als Ganzes anzuschauen.

Seine schlimmste Befürchtung wurde wahr.

Die neue Welt war …

… seine rechte Hode.

ER ließ einen Urschrei.

»NEIEIEIEIEIEIEIEINNNNNNNNNNN!!!«

ER konnte und wollte es nicht wahr haben. Immer wieder schaute ER sich sein nun ziemlich schlaff hängendes Gehänge an und dann die neu geschaffene Welt.

»Mimimi …«, schluchzte ER herzzerreißend, aber letzten Endes musste ER sich damit abfinden, sein Sack hing asymmetrisch.

»Mein Sack hat Schieflage, heul!«

Doch damit nicht genug der schlechten Nachrichten.

Obwohl es Tag war, schlich sich eine große und dunkelgraue Wolke über ihn, und ehe ER wusste, wie ihm geschah, grummelte und blitze es kurz und heftig auf, um dann in einen kräftigen und lang anhaltenden Regen überzugehen.

»Fuck!«

Nein, dieser Tag sollte nicht sein Tag sein.

So verheißungsvoll, wie er auch begonnen hatte, so ernüchternd sollte er enden.

Schwamm drüber beschloss ER: »Morgen ist ja auch noch ein Tag.«

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