Tag 5a

Fischers Fritze fischt frische Fische (Geburtswehen)

Der nächste Morgen ließ sich gut an.

ER hatte den schmerzlichen Verlust seiner rechten Hode noch nicht gänzlich verdaut, aber der Anblick seiner neuen Welt spendete ihm Trost.

ER hatte zwar einen Teil seiner Allmacht verloren, aber im Gegenzug ein gutes Stück Lebensfreude hinzugewonnen.

Mit beinahe kindlicher Freude schaute ER sich sein bisheriges Werk an: Himmel&Erde, Tag&Nacht, Sonne, Mond und Sterne, ein zartes Pflänzlein, und nicht zu vergessen: das Meer.

»Das ganze viele restliche Wasser«, grummelte ER gedankenverloren, »was mache ich nur damit?«

»Eine spezielle, für dieses Medium angepasste Lebensform müsste es sein, also auch keine Landgefummele oder so, richtig gut im Wasser dafür, cool, der King under Water, Respekt alta, fette Zähne und Muskeln bis oben hin. Yeahh!«

Sichtlich zufrieden mit seiner Vorstellung einer zukünftigen Wasser-Lebensform wollte ER sich ganz lässig an den Sack packen und den Zauber beginnen lassen.

Doch auf halbem Wege kam ihm sein Ein-Hoden-Sack in Erinnerung und er hielt inne. Seine anfängliche überschwängliche Begeisterung legte sich wieder und ER begnügte sich mit ein paar betont lässigen Fingerschnipsern.

Doch anstatt seines berüchtigten Prädatoren erschuf ER damit lediglich viele, viele kleine süße Fischlein. Gepunktete, Gestreifte, Gecheckte und sogar in Bunt. Nach zahlreichen weiteren ›Fehlversuchen‹ spuckte ER angewidert und demotiviert ins Wasser und erschuf so die Qualle.

»Oje, oje, oje …«, wiederholte ER unablässig, denn ihm schwante, zu welchem Opfer ER sich nötigen lassen würde.

»Schmerz, Schmerz, warum nur immer Schmerz? Warum geht es nicht mit Liebe? Mit gutem Zureden? Mit Freude? Warum muss es immer erst so weh tun? Ach herrje … ich armer Tor …«

Betrübt brummelte ER so eine Weile vor sich hin, aber alles Wehleiden war vergebens. Kein Leben ohne Schmerz.

»Also, gut, wenn es denn unbedingt sein muss, dass jede verdammte Erschaffung höllisch weh tun muss, dann verfüge ich …« und ER erhob seine Stimme zu einem gewaltigen Grollen, Blitze zuckten umher, der Himmel verdunkelte sich und ein heftiger Sturm ließ die See aufbrausen, »dass ab diesem Tage, jede verdammte Geburt, von jedem verdammten von mir erschaffenem Wesen, genauso verdammt noch einmal weh tun soll, wie sie mir weh tut. Scheiße noch mal! Leckt mich doch alle!«

Die letzten Worte klangen allerdings wenig göttlich, sondern verdammt wehleidig. Wie dem auch sei, wir alle wissen nun, warum die Frauen bei der Geburt immer so wehleidig sind.

ER ist schuld!

Weiter …

Die dunklen Wolken waren verflogen, der stürmische Wind hatte sich gelegt und die Sonne schien wieder hell und warm am blauen Nachmittagshimmel.

ER schaute nun stolz und tapfer auf die sich sanft kräuselnde Meeresoberfläche. Die Zeit war gekommen.

Es war Erschaffungszeit!

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