Tag 5c

Bei dir piept’s wohl?

Ungeachtet des Murrens des schwimmenden Vielzahners (also, das mit dem Namen sollte wirklich bald in Angriff genommen werden!) fühlte ER sich durchaus gut gelaunt und befriedigt.

Sicher, der Preis war hoch gewesen, aber die Aussicht in Zukunft entspannungshalber die kleinen Blubbertierchen von dem großen Blubbertierchen gejagt zu sehen, war es Wert gewesen.

»Ohhhh, was ist das denn?«

Die Sonne hatte sich dem Horizont genähert und fing an das Meer in ein wunderschönes rosarot zu tauchen.

»Warum ist mir das vorher nie aufgefallen?«

(Ihm KONNTE dieser malerische Sonnenuntergang früher gar nicht aufgefallen sein, da es bis zum Ende des fünften Tages gedauert hatte, bis sich die Atmosphäre vernünftig gebildet hatte. Allmacht ist halt nicht gleich Allwissenheit!)

»Die Atmosphäre? … natürlich, das wusste ich doch, logisch, was sonst, tss…«

(…)

Es war ziemlich still geworden. Bis auf das sanfte Gegrummel von dem großen Blubbertierchen und einem kaum hörbaren ›Pfuuuhh‹, als ab und an mal ein kleiner Lufthauch vorbeizog, war es angenehm und erholsam still. Wer sollte daran etwas ändern wollen?

»Irgendwie beklemmend diese Stille hier«, dachte ER laut nach.

Sollte ER wirklich etwas gegen die total entspannende Stille unternehmen? Es würde nie wieder so … so … meditativ sein. So ein Schritt müsste vorher gründlich überdacht sein.

»Nein, nein, nein, ich hatte bereits die Unendlichkeit zuvor die totale Stille. Ich möchte Leben um mich herum haben. Leben!«

Aber ER sollte natürlich unbedingt bedenken, dass es kein zurück mehr gäbe.

»Kleine, zarte Gesänge, die meine Ohren umgarnen.«

(Das sagen sie alle vorher.)

»Des Morgens geweckt werden durch eine liebliche Melodei …«

(Ein Wecker ohne Ausschalter!)

»… und des Abends in einer Wiege aus Noten gebettet, zugedeckt mit warmen Tönen, in zuckersüße Träume geführt … hach …«

So eine gewichtige Entscheidung MUSSTE unbedingt sehr sehr gründlich überdacht werden!

»Doch! Das MUSS einfach sein«, bestimmte ER, der scheinbar den Schmerz, den heftigen Schmerz, der letzten Erschaffung verdrängt zu haben schien. Das würde wohl wieder verdammt schmerzhaft für ihn sein. ER würde wohl wieder kräftig leiden müssen! Die Schmerzen würden unerträglich sein, unerträglich!

»…«

Aber was ER sich wohl vorgenommen hatte, das würde ER auch durchziehen …

»Gut!«, sagte ER mit einer befremdlichen Leichtigkeit, »dann will ich es mal anpacken.«

Und passenderweise hatte ER sich bereits im Vorfeld ausgedacht, wie das Problem mit den Schmerzen möglichst im Einklang mit seinem Wunsch nach körperlicher Unversehrtheit vereinbar sein könnte.

Den Worten folgte die Tat. ER holte mit seinem rechten Arm so weit aus, wie es ihm nur möglich war und … schmetterte sich die Hand mit voller Wucht gegen die rechte Wange, dass seine Zähne wackelten und es ihn von den Füßen hob.

»PLATTTSCCHHH«, machte es! Eine irre Backpfeife! Noch benommen von dem Schlag kreisten um seinen Kopf Sterne und aufgeplusterte Federbällchen.

»Wie schön«, säuselte ER, »kleine süße flappernde Federbällchen, die meinen Schmerz mit ihren zarten Stimmchen lindern wollen. »

»TSCHÖRRRP!«

Und so wurde die Migräne erfunden.

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