Tag 6b

Nicht die beste Auswahl …

Es ist nicht übertrieben zu behaupten, dass der Morgen wirklich suboptimal gelaufen war.

Zumindest für ihn.

Ganz und gar nicht für die vielen und stetig mehr werdenden dauerpoppenden, flappernden Federbällchen.

Doch wäre ER nicht ER, wenn ER sich von so etwas entmutigen lassen würde.

»Bo ey, ich habe ja sowas von überhaupt keine Lust heute«, sagte ER verdrossen.

Ein sehr kurzer Anfall von Erschöpfung bemächtigte sich seiner.

»Arghh, und meine Migräne bringt mich noch um!« (ER neigte etwas zu theatralischer Übertreibung.)

Frohen Mutes also (allem kleinen Unwohlsein zum Trotz), konzentrierte ER sich bald darauf, was ER als Nächstes so anstellen könnte, denn es galt ja, seine Welt sinnvoll zu bevölkern.

»Denken …«

»TSCHÖRP!«

»Konzentrieren …«

»TSCHÖRP!«

»Ruhe …«

»TSCHÖRP!«

»R U H ÄÄÄÄÄÄÄ!!!!«

»… tschörp? …«

»(Zensierte Beschimpfungen

Beleidigt flogen die Vögel von dannen.

»Kommt bald wieder …,« winkte ER ihnen freudig zum Abschied zu.

»… NICHT!«

Äußerst zufrieden materialisierte ER sich flugs auf einer hübschen, weißen und flauschigen Wolke, die sich unter seinem Gewicht langsam hinabbewegte. Als die Wolke knapp über dem Wasser angekommen war, verringerte ER sein Gewicht (ja, sowas kann ER, nur mal kein Neid bitteschön) und tauchte seine geschundenen Füße in das kühle Nass.

»Ahhhhhhhh, tut das gut«, seufzte ER ausgelassen. »So lässt es sich gleich viel besser nachdenken.«

»TSCHÖRPPPPPPP!«, piepste ein kleines Vögelchen direkt neben seinem Ohr, wodurch ER beinahe von der Wolke fiel.

»Du verdammtes Mistviech«, brüllte ER ganz außer sich, »wenn ich dich erwische, reiße ich dir alle Federn einzeln raus und verputze dich zum Mittagstisch!«

Dabei strampelte ER wie wild mit seinen Beinen im Wasser herum. Das sollte man nicht tun, wenn ein großes Schwimmding mit scharfen Zähnen (ER hat ja noch immer keinen Namen gefunden) im gleichen Wasser schwimmt, in dem sich auch seine fleischigen Beine aufhalten. (WIR wissen das, ER noch nicht!)

Tatsächlich dauerte es nicht lange, bis sich ein langgezogener Schatten kreisförmig den zappelnden Beinen näherte. ER hingegen — immer noch tierisch sauer auf den Piepmatz — steigerte sich unaufhörlich in seine Wut hinein und brüllte und röhrte und schnaubte, was das Zeugs hielt.

»(Zensierte Beschimpfungen

Deswegen bemerkte ER auch nicht, als der Schatten plötzlich seine Richtung änderte und wie ein Pfeil nach oben schoss.

Erst als das bissige Schwimmdings seine mächtigen Kiefer mit einem fetten »HAPP!« um die zappelnden Beine schloss, konnte ER nicht umhin, seine Aufmerksamkeit für einen kurzen Moment von dem Vogel zu lösen.

ER tat dies mit einem beherzten: »AAAHHHHHHHHHHHHHHHRRRRGGGGGGGGG!!!!!!«

Aug’ in Aug’ starrten sie sich an, der eine hungrig amüsiert, der andere … nicht.

Nein, ER war wirklich angepisst. Aber alles Klagen half ja nichts. ER musste handeln.

Während also der große Beißer gemütlich an den behaarten Beinen nuckelte, versuchte ER verzweifelt ihn dazu zu bewegen loszulassen. Am besten noch, bevor ihm nicht nur eine Hode fehlte.

Da kam ihm eine Idee.

»Hai, alles klar Kumpel?«, fragte ER, so freundlich, wie es die Schmerzen in seinen Beinen erlaubten.

»Hai, na logisch und bei dir?«, sagte der große Beißer freundlich und achtete einen Moment lang nicht auf seinen Zwischensnack. Diese Gelegenheit nutze ER, um eilig seine Beine aus dem großzügig bezahnten Maul zu ziehen. Und weil ihm diese ureigene Höflichkeit so teuer zu stehen gekommen ist, schwor sich der große Beißer, nie, nie wieder andere zu begrüßen oder einen Gruß zu erwidern.
(PS: Versucht es ruhig, aber er wird euch nicht antworten!)
(PPS: Habt ihr gewusst, dass Haie niemals mit vollem Mund reden? Ihr wisst warum!)

ABER, eine gute Seite hatte die Geschichte dennoch, denn seine Schmerzen waren ja bekanntlich die Geburt einer weiteren neuen Lebensform.

Aber davon später … Roarrr …

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