Tag 6c

Der 6. Tag, am frühen Abend bis zum nächsten Morgen hinein

Ein Freund in Not

Fix und fertig von seinen Raufereien mit dem Hai, ließ ER sich wie ein Blatt langsam zu Boden schweben. Noch im Flug fielen ihm die Äuglein zu. So bemerkte ER gar nicht, dass ER NICHT auf den harten und staubigen Boden landete, sondern ganz weich auf einem breiten, muskulösen und flauschig behaarten Rücken. (NEIN! Nicht was ihr denkt!)

Eine ganze Weile lag ER so bäuchlings auf diesem flauschig-warmen Fell und ließ sich von dem stetigen Auf und Ab der ruhigen Atmung in den Schlaf wiegen.

So verbrachte ER den ganzen Abend und den halben nächsten Morgen.

Und wäre ER nicht irgendwann abgerutscht und hätte ER sich dann nicht — noch immer tief schlafend — ganz fest an das beigefarbene Kuscheltier geschmiegt (ein Kuscheltier, das vor allem am Kopf mit extrem langen Haaren versehen war), so hätte ER vermutlich noch viel länger schlafen können, denn schließlich waren die vergangenen sechs Tage reichlich anstrengend gewesen.

Doch so wurde ER sanft geweckt, durch eine ziemlich sabbrige Zunge, die aus einem Maul ragte, welches mit ziemlich vielen scharfen Zähnen versehen war. (Scheinbar hatte ER eine ausgeprägte Affinität gegenüber Wesen mit einem guten Kauapparat.)

Genau genommen, war es gar nicht das Ablecken, das ihn aus seinen Träumen geholt hatte, sondern der unglaubliche Mundgeruch dieses Riesenmobs.

»Wa …, wa …, was …?«, stotterte ER hilflos. Seine Augen waren ganz zugekleistert von dem vielen Sabber, weswegen ER sie nicht aufbekam.

»Schlürf«, machte der Riesenmob genüsslich.

»Was ist los? Was ist los?« ER war noch immer ganz konfus und versuchte sich die Augen trocken zu reiben.

»Sabber, Schleck«, fuhr der Riesenmob ganz ungeniert fort.

»SCHLUSS!«, brüllte ER und schob die triefend feuchte Zunge von sich und stand wacklig auf.

»Mju?«, machte der Riesenmob fragend.

Blind wankte ER zum Ufer um sich die Spucke aus den Augen zu waschen und hielt erst an, als ER knietief im Wasser stand.

Während ER sich nun vornübergebeugt den Sabber aus den Augen wusch, hatte ER das komische Gefühl, etwas Wesentliches übersehen zu haben. ER überlegte und überlegte, aber es half nichts, ER kam nicht drauf.

Endlich fühlte ER sich wieder sauber und wollte gerade den Rückweg antreten, als es ihm wieder einfiel.

»Hai?«, flüsterte ER zaghaft.

Und wie auf Zuruf, tauchte direkt hinter ihm das weit aufgerissene Maul des Carcharodons (Dat is Latein!) auf, sodass ER bis zum Magen schauen konnte. Und dieser Magen war ziemlich leer und wollte gefüllt werden.

Schon dachte ER, dass ER auch die linke Hode verlieren würde (wenn nicht mehr) als plötzlich vom Ufer her ein ohrenbetäubendes Brüllen die Luft zerriss und der Hai entsetzt mitten im Sprung anhielt und ganz schnell das Weite suchte.

Mit leuchtenden Augen und so gut es ihm möglich war (denn der Brüller des Riesenmobs hatte reichlich Feuchtigkeit enthalten) sah ER durch den Feuchtfilm hindurch, dem Riesenmob direkt in die freundlichen Augen.

»Mein Retter, mein Kuscheltier!«, sagte ER ganz gerührt.

»Roarrrrr, Schnurr …«, machte der Riesenmob ganz stolz.

Das war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft.

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