Tag 7b

Tag 7 - Tränen und Essen

ER traute sich kaum, hinzuschauen. Mit einem äußerst unguten Gefühl ging er dem Schlürfen und Schmatzen nach.

»UAAAAAHHHHH!!!«, brüllte ER. »Wie kannst du mir sowas antun? Ich dachte, du wärst anders … ich dachte, wir wären Freunde … ich dachte, du wärst mein liebstes Kuscheltier.«

ER war außer sich vor Wut, als ER sah, womit sich der Löwe beschäftigte.

»Du bist nicht besser als der Hai … ihr denkt alle nur an Fressen, Fressen und Fressen.«

Da hielt der Löwe mit seinem Tun inne und ein großer Moment der Reue breitete sich in ihm aus.

Und während ER weiter mit Löwi schimpfte und kein gutes Haar an ihm ließ, wurde der so bös’ gescholtene immer trauriger und trauriger. Er hatte den Rücken ganz rund, den Schwanz gänzlich eingezogen und seine beiden riesigen Vorderpfoten über seinen Kopf gelegt. Am liebsten wäre er jetzt unsichtbar. Eine dicke Träne bahnte sich den Weg aus seinem rechten Augenwinkel und gesellte sich alsbald zu einer anderen dicken Träne, die ihm aus dem linken Augenwinkel geflossen kam.

Da hielt ER inne mit seiner Schimpfkanonade und ihm selber wurde ganz schwer ums Herz.

Unendlich traurig guckte Löwi seinen Erschaffer mit verheulten Augen an, stand dann unendlich schwer auf und stapfte unter unendlich großer Anstrengung davon. Er hatte erkannt, dass sein Fehler unverzeihlich war. Ihm blieb nur noch das Exil.

»Groioioignn…«, kam es von dem Löwen im Weggehen.

»Groioioignn?« ER stutzte.

»Löwe?«, fragte ER vorsichtig. »Hast du etwa Hunger?«

Da blieb der Löwe stehen, drehte mühsam seinen Kopf zu seinem Erschaffer und Ex-Freund um und es schien ihm, als würde an jedem der Zottel seiner bauschigen Mähne ein unendlich schweres Gewicht hängen.

»Groioioignn…«, kam es von dem Löwen.

Die Erkenntnis traf den Angebissenen wie ein Schlag.

»Natürlich!«, rief ER und patschte sich mit seiner flachen Hand gegen die Stirn. »Wie konnte ich das vergessen haben. Du bist am Verhungern, während ich nur ans Kuscheln denke.«

Nun kullerten ihm dicke Tränen in Bächen herunter.

»Löwi!«, rief er dem Löwen zu »Löwi … bitte verzeihe mir meine Ignoranz bezüglich der Essgepflogenheiten Nicht-Nautischer Lebewesen.«

»Hier mein Freund …«, sagt ER und patscht sich mit aller Wucht selber in sein verheultes Gesicht, »… hier, nehme als Entschuldigung für meine Unwissenheit diese kleinen Happen an.«

Als der Löwe nach oben schaut, sieht er erst einmal nichts und überlegt kurz, ob ER ihn verscheißert hat. Dies hätte — Freundschaft hin, Kuschelmuschel her — ein ›Bein ab‹ zur Folge.

Aber dann sieht der Löwe es, kleine silbrig glitzernde Schuppen fallen herunter und platschen zappelnd zu Boden. Es sind Mini-Haie ohne fiese Zähne!

Der Löwe kann sein Glück gar nicht fassen und weiß gar nicht, wohin er schauen soll.

»Iss mi Jung«, sagt ER, zufrieden mit seinem Werk.

Das lässt sich der Löwe nicht zweimal sagen und stürzt sich schmatzend auf die unendlich vielen saftigen Minihaistäbchen.

»Jetzt wird alles gut«, sinniert ER selig, »alles wird gut …«

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Edits:
  • 22.11.2014
    1. Regel Nummer 2: Der Lektor sollte nicht abgelenkt sein. ;)
    2. Am Ende bin ich in die Gegenwartsform gerutscht. Pfui!
    3. Ein paar inhaltliche Änderungen. Gefällt mir so besser.

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