Tag 7d

Tag 7 - Gerupft

»Ok …«, stellte ER nüchtern fest und fächelte sich dabei Luft zu, »du legst also Wert auf eine abwechslungsreichere Verkostung.«

»Hmm …«, dachte ER kurz nach, »wie wäre es denn damit?«

ER stieß sich heftig seine Ellenbögen in die Seiten, dass die kurzen Rippen quietschten und bald darauf ploppten ein paar dickere Vögel zu Boden.

Ja, dass war eher eine Speise, die des Löwen’s Geschmack entsprach, denn mit einem großen Sprung stürzte dieser sabbernd auf die irritierten Vögel zu.

Doch bevor der Löwe auch nur eins der Vögel zu fassen bekam, hatten sie bereits ihre Flügel entdeckt und machten sich eiligst aus dem Staube.

»Hust, Hust«, machte der Löwe und als die Staubwolke sich gelegt hatte: »Heul, Heul.«

»Das ist ein Dilemma!«, bemerkte ER nüchtern. Nachdenklich lief ER im Kreis herum, beäugt von dem — extrem traurig aus der Wäsche guckenden —Löwen.

»Heureka! Ich hab’s!«, rief ER plötzlich und vollführte ein paar seltsam anmutende Hüpfbewegungen, die der Löwe misstrauisch zur Kenntnis nahm.

»Was ist ein Vogel, der nicht fliegen kann? Na?«

»Graummppff?« Der Löwe blickte ihn verständnislos an.

»Fast-Food«, grinste ER.

Nur, wie sollte ER es anstellen, dass die Vögel nicht mehr fliegen sollten?

»Entweder ich lasse die Flügel weg — aber ich habe keine Ahnung wie — oder ich mache die Viecher so fett — wobei die Flügel klein bleiben müssten — dass sie gar nicht mehr abheben KÖNNTEN! Genial!«

ER war ja so zufrieden mit sich.

Problem eins: Wie würde ER die Vögel so fett kriegen? ER lugte unwillig nach den nur noch vereinzelt zappelnden Haistäbchen, die langsam einen etwas modrigen Geruch ausströmten.

»Ach was soll’s, wird schon nicht so schlimm sein.«

Vor den angeekelten Blicken des Löwens stopfte ER sich sämtliche Haistäbchen, Stäbchen für Stäbchen, in den Mund und würgte sie nacheinander herunter. Als ER glaubte, gleich würden die Haistäbchen den Rückwärtsgang einlegen, hörte ER auf.

»Rööööölppsssshmmmpfff … Sorry, das musste raus«, sagte ER und grinste dabei unschuldig.

Aber der Löwe lag da bereits ausgestreckt auf dem Rücken.

Dann stieß ER sich, wie beim ersten Mal, die Ellenbögen kräftig in die kurzen Rippen.

Der Erfolg war direkt messbar. Zum einen ploppten zahlreiche, ziemlich fette Vögel zu Boden und zum anderen würgte ER ein Gutteil der halbverdauten Haistäbchen wieder aus.

»Mir ist ja soooo schlecht …« stieß ER zwischen den Würgeattacken hervor.

Aber dem Löwen war dies im Moment wurscht. Er stürzte sich begierig auf die fetten Dinger und als er sah, dass sie nicht höher springen konnten als sie groß waren (und da war nicht wirklich viel), gab es für ihn kein Halten mehr.

Nach und nach fing er die fetten Vögel direkt mit seinem Maul ein und schluckte sie in einem Stück herunter.

Hätte er besser nicht getan, denn eins dieser Viecher blieb ihm im Halse stecken.

»…!«, machte der Löwe (denn es kam ja kein Laut aus ihm heraus).

»Löwi!« Hatte ER sich gerade halbwegs erholt, so folgte nun der nächste Schock.

»Löwi! Sag’ doch was. Was hast du denn?«

»…!«, äußerte der Löwe erneut. So langsam machte sich eine bläuliche Verfärbung in seinem Gesicht breit.

Da sprang ER in wenigen schnellen Schritten zu dem Löwen, um ihn ausführlichst zu untersuchen.

»Ist es der Stuhlgang, die Verdauung?«, fragte ER besorgt und stellte sofort die erforderlichen Untersuchungen an.

»…! …! …!« Dabei schüttelte Löwi heftig den Kopf und hatte die Augen weit aufgerissen.

»Nein, da ist alles in Ordnung …«, stellte ER nachdenklich fest, nachdem ER die gründliche Untersuchung beendet hatte.

»…!«, versuchte es der Löwe erneut und presste dabei sicherheitshalber die Pobacken eng zusammen.

ER begab sich zum anderen Ende des Löwen.

»Mach mal den Mund weit auf und sag mal ›ahhhhhhh!‹«, sagte ER und schaute dem Löwen tief in den Rachenraum.

»…«

»Ei ei ei«, stellte ER bekümmert fest. »Das war’s dann wohl.«

»…!!!!« (Übersetzt: »Ich bin noch zu jung zum Sterben!«)

»Ist ein Scherz«, fügte ER belustigt hinzu. »Das haben wir gleich, du kleiner Vielfraß.«

Vorsichtig griff ER mit beiden Armen in das weit geöffnete Maul des Löwen und pulte das querliegende, besonders fette Exemplar eines fetten Vogels, heraus.

»Huhhhh, das ist aber ein dickes Ding.« (Später erinnerte ER sich an das ›Huhhhh‹ und nannte diese fetten fluguntauglichen, aber leckeren Vögel zukünftig Huhn bzw. Hühner.)

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