Über Serielle Novellen

Serielle Novellen, vielleicht besser bekannt unter der amerikanischen Bezeichnung Serial Fiction, sind Fortsetzungs- oder Endlosserien, die in relativ kurzer Zeit, Szene für Szene, entstehen und direkt veröffentlicht werden. Der Autor (oder die Autoren) hat anfangs mehr oder weniger eine große Rahmenhandlung und die wesentlichen Charaktere im Kopf (natürlich gerne auch schriftlich ;)) und lässt dann die Geschichte ihren Lauf nehmen.

Serials sind keine fertigen Romane

Serials sind keinesfalls fertige Romane, die häppchenweise veröffentlicht werden. Romane haben einen Anfang, einen Mittelteil und vor allem ein Ende. Ein endgültiges Ende! Der Leser legt das Buch weg und kann sich zufrieden zurücklehnen, weil alle Fragen letzten Endes beantwortet worden sind. Zumindest sollte es so sein. ;) Der Autor eines Romans hockt normalerweise länger als sechs Monate an seinem Buch und liefert es erst ab, wenn er/sie und alle daran Beteiligten der Meinung sind, dass es jetzt fertig ist.

Autor und Leser im Einklang

Nicht so bei Serial Fiction. Basierend auf einer Rahmenhandlung, einem Mainplot und den wesentlichen Charakteren fängt er an den ›Film‹ niederzuschreiben. Wie in einem Tagtraum träumt er die Geschichte dann weiter, natürlich immer unter Beachtung des ›Großen Ganzen‹. Dabei hat der Autor gar keinen so großen Wissensvorsprung gegenüber dem Leser. Klar, die grobe Richtung ist vorgegeben, aber noch ist nichts in Stein gemeißelt, die ganze Geschichte befindet sich im Fluss.

Ein Autor, der keine Peilung hat, ist den Lesern gegenüber ziemlich unfair. Warum? Ein Leser wird, sofern er sich erst einmal auf die Geschichte eingelassen hat, viel Zeit und — hoffentlich — Emotionen einbringen. Sollte die Geschichte dann führerlos durch die Wortmeere tuckern, könnte sich — berechtigterweise — bald der große Frust einstellen. Der Leser wäre dann Lost ;)

Aber neben dem Mainplot ist ja noch viel Raum für Subplots. Das ist der Bereich, wo die Leser mit ihren Fragen und Anregungen die Kreativität des Autors immer wieder aufs Neue anstacheln können.

Series und Serials

Generell wird unterschieden zwischen normalen Series die in sich abgeschlossen sind und nur eine geringe Verknüpfung zwischen den einzelnen Folgen haben (man denke an die originalen Serien von Star Trek, bei denen es ziemlich egal ist, in welcher Reihenfolge man sie sich anschaut) und Serials, also Fortsetzungs- und Endlosserien (Linden … hust … straße, oder Babylon 5), die unter dem Dach eines großen Erzählbogens relativ zwingend der Reihe nach angeschaut werden müssen.

Die Mischung machts

Neben den ›reinen‹ Series und den ›reinen‹ Serials gibt es natürlich auch Mischformen. Star Trek — TNG ist beispielsweise so ein Mischling. Eigentlich individuell für sich stehend, aber trotzdem im Kontext einer großen Geschichte und sich entwickelnden Charakteren. Wo im Endeffekt der Schwerpunkt liegt ist prinzipiell egal und von der Story und der Intention des Autors abhängig.